MDS Zentrum Dresden

MDS Zentrum Dresden
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus | MDS Center of Excellence
 

 

Krankheitsbild

 

Bei den myelodysplastischen Syndromen (MDS) handelt es sich um eine erworbene, vielschichtige Gruppe von Erkrankungen im Knochenmark. Somit ist es auch eine Erkrankung des Blutes, da die Blutzellen im Knochenmark gebildet werden. Meist tritt die Erkrankung im höheren Lebensalter, vorwiegend ab dem 60. Lebensjahr auf. Dabei sind Männer etwas häufiger betroffen als Frauen.

MyeloDysplastisches Syndrom  =  KnochenmarkFehlbildungsSyndrom

Die MDS sind nicht erblich und deren Ursachen sind weitgehend unbekannt. Allerdings werden Risikofaktoren, wie Chemotherapie, Bestrahlung oder giftige Substanzen (z.B. Benzol, Pestizide, Rauchen, Alkohol) diskutiert. Eine eindeutige Ursache lässt sich jedoch in der Mehrheit der Fälle nicht feststellen. Bei ca. 1/3 der Patienten entwickelt sich aus den MDS eine Akute Myeloische Leukämie (AML) und wiederum bei ca. der Hälfte der Patienten treten in den erkrankten Zellen Veränderungen der Chromosomen (Träger des Erbgutes) auf.

 

 

 

Blutsystem

 

Die Aufgabe unseres Blutsystems ist es, Sauerstoff und Nähr-/Abfallstoffe in unserem Körper zu transportieren. Außerdem ist es für die Immunabwehr und die Regulation der Körperflüssigkeiten verantwortlich. Die Blutzellen werden im Knochenmark aus unreifen Stammzellen gebildet. Nachfolgend sind die drei Haupttypen der Blutzellen, die das Knochenmark produziert, aufgeführt.

Rote Blutkörperchen
(Erythrozyten)

Blutplättchen
(Thrombozyten)

Weiße Blutkörperchen
(Leukozyten)

erythrozyt

Thrombozyt

Leukozyt

  • Sauerstoff (O2)- /
    Kohlendioxid (CO2)-
    Transportzellen
  • Hämoglobin (Hb) bindet O2
  • Norm: 12-16 g/dl
  • Gerinnungszellen
  • stoppen Blutungen
  • Norm: 150.000 - 300.000 Zellen/µl
  • Teil des Immunsystems
  • Granulozyten (Abwehr v. Bakterien, Parasiten u. Pilzen)
  • Monozyten - Vorläufer der Makrophagen (Fresszellen) u. dendritischen Zellen (Antikörperpräsentation)
  • Lymphozyten (B-, T- u. Killerzellen)

 

 

 

Symptome

 

Bei den MDS tritt eine gestörte Blutbildung auf, d.h. es kommt zu Reifungs- und Funktionsstörung der Knochenmarkszellen. Dabei entstehen zu viele, unreife Knochenmarkszellen, die sogenannte Blasten oder Leukämiezellen, die die normalen Blutzellen verdrängen. Somit entstehen unter anderem folgende hier aufgeführten Symptome:

Anämie
(Blutarmut)

Thrombozytopenie
(schlechte Blutgerinnung)

Leukopenie
(Infektanfälligkeit)

  • Blässe
  • Erschöpfung
  • Kurzatmigkeit
  • Leistungsabnahme
  • Kopfschmerz / Schwindel
  • Blutergüsse
  • Nasenbluten
  • Zahnfleischbluten
  • Starke Blutungen bei kleineren Verletzungen
  • Häufig langwierige Infektionen
  • Fieber
  • Lungenentzündung
  • Harnwegsinfekte

 

 

 

 

Diagnostik

 

Veränderte Blutwerte sind der erste Anhaltspunkt für einen Arzt, tiefergehende Untersuchungen zu veranlassen. Wenn sich keine andere Ursache für die veränderten Blutwerte und Symptome findet, dann ist eine Knochenmarkpunktion zur weiteren Abklärung notwendig.

Blutuntersuchung

blutabnahme

Knochenmarkpunktion

kmp

  • Blutbild:
    Blutzusammensetzung, Anteil der Blutzellen
  • Differentialblut:
    Zusammensetzung der Leukozyten
  • Labor:
    Serum Ferritin, LDH, VitB12, Folsäure, EPO
  • Zytologie:
    Mikroskopische Untersuchung des Knochenmarkausstrichs
  • Zytogenetik:
    Untersuchung der Chromosomen (Erbgut) der veränderten Zellen

 

 

 

Klassifikationen

 

Die MDS-Subgruppe ist abhängig von den Ergebnissen der Differentialblutuntersuchung sowie den Befunden der Zytogenetik. Die Einteilung unterscheidet man nach WHO (Weltgesundheitsorganisation)- und FAB (Französisch-Amerikanisch-Britische)-Klassifikation. Der IPSS-R-Score (Revised International Prognostic Scoring System) wird zur Bestimmung des Schweregrads der Krankheit verwendet.

 

  • Nach FAB:

FAB Subtyp

Kategorie

Blasten im Knochenmark

RA

refraktäre Anämie

<5 %

RARS

refraktäre Anämie mit Ringsideroblasten

<5 %
15 % Ringsideroblasten

RAEB

refraktäre Anämie mit Exzess an Blasten

5-20 %

CMML

Chronische myelomonozytäre Leukämie

<20 %
vermehrt Promonozyten

RAEB-T

RAEB in Transformation

21-30 %
Auerstäbchen

Quelle: Bennett JM, Catovsky D, Daniel MT, Flandrin G, Galton DA, Gralnick HR, Sultan C. Proposals for the classification of the acute leukaemias. French-American-British (FAB) co-operative group. Br J Haematol. 1976;33(4):451-8.

 

  • Nach WHO:

MDS Klassifikation nach WHO

 

 

 

Therapie

 

Die MDS-Therapie ist abhängig vom MDS-Subtyp, dem individuellen Gesundheitszustand, Begleiterkrankungen und den Therapiemöglichkeiten, die zur Verfügung stehen. Man unterscheidet dabei folgende Therapieoptionen:

  • Abwarten und Beobachten
  • Unterstützende Therapie:

Darunter versteht man Behandlungen, die nicht die Krankheit selbst bekämpfen, sondern Teile deren Symptome. Zum Beispiel nutzt man dafür Bluttransfusionen, Wachstumshormone und Therapien der Eisenüberladung.

  • Krankheitsmodifizierende Therapie:

Bei Abnahme der Funktionsfähigkeit des Knochenmarks werden Substanzen eingesetzt, die Merkmale der MDS verändern können. Dafür nutzt man immunmodulierende und demethylierende Substanzen, aber auch Induktionschemotherapien.

  • Knochenmark-/Stammzelltransplantation:

Darunter versteht man den Austausch des kranken Knochenmarks mit Stammzellen eines gesunden Spenders, um so das Knochenmark neu aufzubauen. Diese Therapieform ist die einzige Möglichkeit auf Heilung und ist leider nur für wenige Patienten geeignet. Gründe dafür sind oft ein zu hohes Alter sowie der Allgemeinzustand des Patienten oder der Mangel an passenden Spendern.

  • Klinische Studien:

Dies sind Behandlungsoptionen mit noch nicht zugelassenen Substanzen unter Einhaltung eines genauen Protokolls. Sie sind wichtig für die Weiterentwicklung von neuen Therapien.

Quelle: http://www.mds-foundation.org

 

 

 

Forschung

 

Unsere Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich klinischer Studien mit neuen Substanzen für die MDS-Behandlung. Besonderes Interesse gilt folgenden Themen:

  • Die Rolle der Immunregulation bei der MDS-Erkrankung
  • Die Rolle der Eisenüberladung im Rahmen der allogenen Stammzelltransplantation